Sport und Beruf
Sportler verbringen viel Zeit damit, sich auf Wettkämpfe vorzubereiten – während andere wichtige Dinge ebenfalls erledigt werden wollen: Junge Sportler müssen den Ansprüchen von Schule und Ausbildung gerecht werden, und erwachsene Sportler dürfen den Beruf nicht vernachlässigen. Obwohl es für Sportler normal ist, das sportliche Ziel über alles andere zu stellen, birgt es doch die Gefahr, das eigene Selbstwertgefühl nur an einem einzelnen Bereich festzumachen. Studien haben gezeigt, dass Menschen Rückschläge besser wegstecken können, die ihren Selbstwert aus Erfolgen auf mehreren Gebieten ziehen. Jemand mit einer vielschichtigen Selbstachtung, überwindet Rückschläge leichter als jemand, dessen Selbstachtung ausschließlich auf dem Erfolg in einer Aktivität beruht.
Sportliche Wettkämpfe verlangen einiges, das man auch im Berufsleben gut gebrauchen kann: Sportler müssen ihre Emotionen im Griff haben, ein Ziel vor Augen haben, sich einbringen um Hochleistungen zu liefern, und sie müssen mit direktem und manchmal unangenehmem Feedback umgehen können. Die emotionalen Empfindungen bei guter und schlechter Arbeit sowie sportlichen Leistungen liegen sehr nahe beieinander .
Emotionalle Kontrolle
Sportliche Leistung unterscheidet sich in einigen Dingen von beruflicher Leistung: Die sportliche Leistung ist nicht dauerhaft. Regeln bestimmen, von wann bis wann ein Wettkampf andauert. Die berufliche Leistung hingegen ist viel weitläufiger. Es nicht immer eindeutig, wer der Gegner ist, wann der Wettkampf beginnt und wie die Leistung bewertet wird.
Die Gemeinsamkeiten zwischen Sport und Beruf zeigen sich, wenn man beispielsweise eine Präsentation vor dem Vorstand hält, ein Angebot macht oder an der Börse handelt. Voraussetzung hierzu ist, dass Geschäftsleute einen Rahmen bilden, der Start und Ziel jedes „Wettkampfs“ vorgibt, und entscheiden, wie sich Erfolg definieren lässt, dann hat das, was man im Sport gelernt hat, einen direkten Bezug zu den Fertigkeiten, die auch im Berufsleben nötig sind.
Wenn wir annehmen, dass es Bereiche gibt, in denen der Sport Menschen auf den Beruf vorbereitet, dann sollten diese Bereiche etwas genauer unter die Lupe genommen werden. Die Fähigkeit mit Gefühlen umgehen zu können, wird als ein Schlüsselaspekt für den sportlichen und auch beruflichen Erfolg gesehen. Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass sich emotionell intelligente Sportler in einen psychischen Zustand versetzen können, der sich auf die optimale Leistungsfähigkeit in verschiedenen Bereichen ihres Lebens bezieht. Wenn ein Individuum Strategien lernt, mit denen es diese Gefühle meistern kann, dann können diese Strategien sowohl im Sport als auch im Beruf gleichermaßen erfolgreich eingesetzt werden.
Um diesen Transfer leisten zu können, müssen sich die Personen dieser Möglichkeit zunächst bewusst werden. Dann gilt es die Strategien zu erkennen, mit denen man den jeweils richtigen psychischen Zustand für einzelne Leistungsbereiche erreichen kann. Anschließend bedarf es eine Verbindung herzustellen, um diese Strategien in unterschiedlichen Situationen einzusetzen.
Der Beruf wiederum bietet dem Sportler Gelegenheiten, Kontrolltechniken zu erlernen, die auch auf den Sport übertragbar sind. Menschen, die im Verkauf arbeiten, durchleben bei jedem Geschäftsabschluss eine Reihe von Gefühlen. Angst beispielsweise mindert die Aufmerksamkeit und führt so zu schlechten Entscheidungen. Gute Geschäftsabschlüsse sind nur ohne Angst möglich. Ergo: Via positiven Selbstgesprächen und progressiver Muskelentspannung kann eine psychologische Vorbereitung für sportliche Leistungen in beruflichen Situationen eingeübt werden.
Lernen Sie, Ihre Gefühle zu parken!
Es wird immer wieder Rückschläge und Zeiten der Stagnation geben oder man denkt, die Leistung verschlechtere sich sogar. Eine schlechte Leistung wird von unangenehmen Gefühlen begleitet, damit einher geht eine Analyse der Gründe für das Scheitern. Eine besonders wichtige Fertigkeit ist, diese Rückschau bis zu einem passenden Zeitpunkt zu „parken“. Schlechte Leistungen können das Selbstvertrauen erschüttern und so einen weiteren Leistungseinbruch in anderen Bereichen bedingen: Ein schlechter Tag im Büro kann zu schlechten Ergebnissen im Sport führen und umgekehrt. Um dies zu verhindern, ist es wichtig, die Gedanken und Gefühle, die üblicherweise durchlebt werden, vorauszusehen. Die meisten Sportler kennen das Gefühl des Erfolgs und des Misserfolgs. Diese Gefühle kann man durch Bilder hervorrufen und wiederherstellen. Dabei sollte jedes Szenario als ein „Event“ betitelt werden, das einen Anfang und ein Ende hat. Hat man das Event vor Augen, dann entwickelt man Strategien, mit denen eine wiederholte schlechte Leistung verhindert werden kann. Ziel ist es, einen Plan aufzustellen, wie man die Leistung verbessern und die damit verbundenen Gefühle managen kann. Der Plan kann dabei in der Vorstellung so angepasst werden, dass man sieht, wie man mit der Situation nach einer schlechten Leistung fertig wird. Bei dieser Übung geht es darum, Zuversicht zu gewinnen, um auch mit Misserfolgen umgehen zu können.
- Wenn Sie Ihr Training um Ihren Beruf herum arrangieren müssen, dann finden Sie im Folgenden zusammenfassend einige wichtige Tipps, wie Sie Ihre Leistung in beiden Bereichen verbessern können:
- Setzen Sie sich realistische Ziele und entwickeln Sie einen Plan, wie Sie diese erreichen wollen. Stellen Sie sicher, dass sich die Ziele auf verschiedene Bereiche des Lebens beziehen.
- Nutzen Sie psychologische Methoden wie das positive Selbstgespräch und die Vorstellungskraft, um mit Druck umzugehen (sowohl im Wettkampf als auch im Beruf). Denken Sie an bestimmte Situationen, wenn Sie Ihre Gedanken und Gefühle unter Kontrolle haben müssen. Spielen Sie diese Situationen im Geiste durch.
- Wichtige und erfolgversprechende Ergebnisse (Zeiten, Wettkampfergebnisse, Verkaufszahlen etc.) und Prozesse (Lauftechnik, Schwimmtechnik, unter Druck locker bleiben) müssen festgelegt werden.
- Machen Sie sich bewusst, dass Leistung in einem sozialen Kontext erfolgt. Diskutieren Sie Ihre Ziele mit Ihren Mitarbeitern und Ihrem Trainer. Sprechen Sie über Dinge, die mit Ihrer Leistung in Zusammenhang stehen, und erklären Sie, dass Sie alles tun werden, um Ihre Ziele zu erreichen
Quellangabe: sport und trainig